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Kals a.G.: „Tanzmusik ist wie das Leben!“

Die Großglocknerkapelle Kals feiert am 24.9. ihr 70-jähriges Bestehen. Toni Huter, der Leiter der Kapelle, blickte für uns auf die Geschichte und Entwicklung des Ensembles zurück.

grossglocknerkapellekals

Am 24.9.2016 feiert die Großglocknerkapelle im Rahmen des Kalser Kirchtages ihr 70-Jahr-Jubiläum. Ab 14.30 Uhr steht das Fest ganz im Zeichen der musikalischen Formation. Dargeboten werden u.a. Kompositionen, die zwischen 40 und 70 Jahre alt sind. Ein ganz besonderes Highlight wird die Vorführung eines rd. 40-minütigen Filmes, musikalisch live untermalt, über das Leben von Sepp Huter und die Geschichte der Tanzkapelle sein. Außerdem wird das neue Album „Zeitlos“ präsentiert. Danach spielt die Großglocknerkapelle Kals unter dem Motto „Wie eh und je“ zum Tanz auf.

 

„Sepp hat mit seiner Musik Geschichten erzählt – über die Natur, die Heimat, die Liebe und natürlich den Großglockner. Er hat Musik komponiert und gespielt, die ganz nah am Herzen ist“, lässt Toni Huter Erinnerungen an seinen Onkel, Sepp Huter, den Gründer der Großglocknerkapelle, wach werden. Bis zum letzten Atemzug habe sich der Kalser der Musik verschrieben. „Zwei Tage vor seinem Tod hat er mich noch damit beauftragt, sein Flügelhorn nach Lienz zu bringen, um es dort vergolden zu lassen. Er hat sehr intensiv gelebt. Tag und Nacht drehte sich bei ihm alles um die Musik. Ein Jammern habe ich von ihm nie gehört.“

sepp huter zweiter von rechts

Ein Bild aus früheren Zeiten

 

Toni Huter, Jahrgang 1962, ist in Matrei und Kals aufgewachsen. Seine Begeisterung für die Musik entdeckte er im Alter von 17/18 Jahren. „Hermann Weichsler hat mich motiviert und unterrichtet. Später spielte ich, gemeinsam mit Hansl Klaunzer, bei der Musikkapelle Matrei das 1. Flügelhorn“, berichtet er von seinen musikalischen Anfängen. „Ich war 20 Jahre alt, als mich mein Onkel ansprach und für die Großglocknerkapelle Kals gewinnen wollte. Sepp ist damals mit seiner Tanzmusik gerade erst von einer  Konzerttournee aus den USA zurückgekehrt.“ Zunächst zögerte Toni, ob er das Angebot annehmen solle. „Die Musik der Großglocknerkapelle Kals sprach mich als damals jungen Menschen nicht sofort an. Bald habe ich aber meine Freude an dieser Art von Musik entdeckt. An meinen ersten Auftritt mit der Tanzkapelle in Berg im Drautal kann ich mich bis heute noch ganz genau erinnern“, sagt der begeisterte Musiker. Rasch lernte er, dass sich Tanzmusik grundsätzlich von Blasmusik unterscheidet, dass es sich dabei sprichwörtlich um „zwei verschiedene Paar Schuhe“ handelt. „Bei Auftritten mit der Tanzmusik geschieht immer viel Unvorhergesehenes. Spontanität und Improvisation sind gefragt. Es ist eine fortwährende Interaktion mit dem Publikum.“ Gewöhnungsbedürftig war für das junge Mitglied der Großglocknerkapelle anfangs die Tatsache, dass der Aufwand für einzelne Auftritte doch ein sehr großer war. „Bei teilweise bis zu vierstündiger Anreise, einem 6-stündigen Auftritt und der abschließenden Heimfahrt bin ich oft auch an meine physischen Grenzen gestoßen. Das Herzblut, mit dem Sepp bei den Auftritten präsent war, seine geradezu euphorische Spielweise und natürlich auch die Anmut der Musikstücke haben mich jedoch immer wieder aufs Neue motiviert. Heute ist es mir ein großes Anliegen, sein musikalisches Erbe zu bewahren. Natürlich kommen dabei aber auch Spaß und Freude nicht zu kurz.“

Im Laufe der Zeit begann Toni, selbst musikalische Ideen in die Gruppe einzubringen, die sein Onkel dann in das „richtige“ Klangbild setzte. Seit dem Tod von Sepp Huter im Jahre 2001 hat er, gemeinsam mit Sepps Tochter Sieglinde, die Organisationsarbeit für die Großglocknerkapelle übernommen. Sieben Mitglieder gehören dem Ensemble heute an. Toni spielt in der aktuellen Besetzung selbst Flügelhorn, Klarinette und Saxophon, seine Cousine Sieglinde zeigt ihr Können an Harfe und Klarinette. Peter Aßlaber aus Matrei bläst die Tuba, Alois Wibmer aus Oberleibnig die Posaune und Anton Holzer das Flügelhorn. Mit an Bord ist auch Marco Rainer aus Matrei mit Harmonika, Klarinette und Saxophon. Vor einiger Zeit konnte Toni auch seinen Sohn Florian für die Formation gewinnen. Er spielt Klarinette und Gitarre. „Papa, mir gefällt eure Musik eigentlich schon. Aber sie ist einfach etwas alt“, habe Florian zu Beginn zu ihm gesagt, womit sich Toni Huter, wie er schmunzelnd festhält, in seine erste Zeit bei der Kapelle Anfang der 1980er-Jahre zurückversetzt fühlte. Gut gerüstet und voll Vorfreude blicken die sieben Musiker jetzt nicht nur auf das bevorstehende Fest „70 Jahre Großglocknerkapelle Kals“ im Rahmen des Kalser Kirchtages, sondern auch auf das kommende Jahr. Denn dann heißt es für die Osttiroler Formation „auf nach Brasilien“. Die Einladung dazu erhielten sie von einem Hotelier und Reiseveranstalter, der auf YouTube auf die kleine Kapelle aufmerksam geworden war. „Unsere 14-tägige Konzertreise wird uns 2017 durch den Bundesstaat Santa Catarina im südlichen Brasilien führen“, informiert Toni Huter. Er hat übrigens vor einiger Zeit den Holaushof in Kals übernommen, auf dem einst sein Vater und Onkel ihre Kindheit verbrachten. Hier widmet er sich auch der Schafzucht. „Die Arbeit mit den Tieren gefällt mir sehr. Sie ist auch ein ideales Training, um körperlich fit zu bleiben“, meint er abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Großglocknerkapelle Kals