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Hedi Mayr-Hassler: Von der Kunst der Verwandlung

Als Maskenbildnerin arbeitet Hedi Mayr-Hassler aus Gaimberg für den internationalen Film genauso wie für bekannte Fernsehserien und Dokumentationen. 

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Maskenbildnerin Hedi Mayr-Hassler bei der Arbeit mit ...

 

Hedi Mayr-Hassler kommt gerade von der Premiere des Films „Lou Andreas-Salomé“ aus Deutschland zurück, als ich mich mit ihr zum Gespräch treffe. „Inspirierend, poetisch, wundervolle Schauspieler und außergewöhnlich schöne Drehorte – wie Burgen, Schlösser oder Herrenhäuser in Österreich, Italien und Deutschland“, schwärmt sie. „Das war das bisher schönste Projekt, das ich als Maskenbildnerin begleiten durfte.“ Der Film ist eine Hommage an Lou Andreas-Salomé – eine Philosophin, Schriftstellerin und Psychoanalytikerin aus russisch-deutscher Familie, die Beziehungen zu berühmten Zeitgenossen wie Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke oder Sigmund Freud pflegte.

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… Omar Sharif

 

Esslingen, Berlin, Potsdam, Niedersachsen, Ludwigsburg, Wien, Meran, Bozen, Völs am Schlern, Kalterersee – insgesamt rund 6.000 Kilometer war Hedi Mayr-Hassler mit einem Leihauto für dieses Projekt unterwegs. „Der Film zeichnet das Leben von Lou Andreas-Salomé von 1860 bis 1933 nach. In Vorbereitung darauf habe ich mich nicht nur damit beschäftigt, wie die Leute damals aussahen oder welche Frisuren sie bevorzugten, sondern auch Rilke und Nietzsche gelesen“, so die Maskenbildnerin. Penibel genau bereitet sich die Osttirolerin auf ihre Projekte vor. Für Ernst Gossners Weltkriegs-Drama „Der Stille Berg“ setzte sie sich auch mit der Thematik des Gebirgskrieges im italienisch-österreichischen Grenzgebiet auseinander. Hunderte handgeknüpfte Bärte, Perücken und Haarteile hatte sie damals mit dabei, als an den Originalschauplätzen in den Dolomiten gedreht wurde.

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… Til Schweiger

 

Historische Kinofilme – wie die beiden genannten – seien eine große Herausforderung, aber gleichzeitig auch Projekte, die sie besonders schätze, sagt sie. Til Schweiger, Omar Sharif, Amira Casar oder Danny Huston hat die Maskenbildnerin aus Osttirol schon betreut, für „Lou Andreas-Salomé“ standen Nicole Heesters, Katharina Lorenz, Alexander Scheer, Liv Lisa Fries und Peter Simonischek als Teil des Casts vor der Kamera. Einen Teil ihrer Lehrjahre hin zur Make-up-Artist absolvierte Hedi Mayr-Hassler berufsbegleitend. „Ich war damals als Lufthansa-Flugbegleiterin auf allen Kontinenten dieser Erde unterwegs.“ Im Anschluss daran besuchte sie die Schule des berühmten US-amerikanischen Maskenbildners Joe Blasco in Hollywood/Los Angeles mit dem Schwerpunkt Make-up Artist und Special-Effect Artist. Das damals erworbene Wissen konnte sie sofort auf verschiedenen Filmsets umsetzen.

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... Danny Huston

 

Ihr Arbeitstag am Set beginnt oft schon um 5.00 Uhr früh. „Zu Beginn bereite ich meinen Setup – also Pinsel, Bürsten, Lockenstäbe usw. – vor. Dann kommen die Schauspieler ungeschminkt einer nach dem anderen zu mir, und ich gestalte, je nach Rolle, die Maske.“ Historische Frisuren, Wunden, jemanden auf blass oder krank zu schminken, Perücken und Bärte zu kleben – dafür benötigt sie bis zu eineinhalb Stunden pro Darsteller. „Mehr Zeit steht üblicherweise nicht zur Verfügung. Für eine so genannte Altmaske war ich aber auch schon fünf Stunden im Einsatz“, berichtet sie aus ihrem Arbeitsalltag. Die ganze Crew müsse sich exakt nach dem Drehbuch bzw. der Disposition des jeweiligen Drehtages richten, was natürlich auch die Maske miteinschließt. „Hier ist konzentriertes Arbeiten gefordert. Gespräche mit den Schauspielern würden nur ablenken. Ich bin immer bestrebt, die Maske von Grund auf perfekt zu machen. Für Korrekturen während des Drehs bleibt nur wenig Zeit.“

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… Wolfgang Fierek

 

Hedi Mayr-Hassler hält sich während eines Drehtages immer im Hintergrund auf und achtet auf die Masken. Sie sei, wie sie betont, auch dafür verantwortlich, dass sich die SchauspielerInnen wohl fühlen, dass die Haut geschützt und gepflegt ist – beispielsweise auch bei intensiver Sonneneinstrahlung. Ein Drehtag dauert durchschnittlich 12 bis 14 Stunden. Nach dem eigentlichen Dreh müssen die Schauspieler abgeschminkt und im Anschluss daran Bärte und Haarteile gereinigt, die Perücken wieder aufgespannt und die Pinsel desinfiziert werden. Schließlich muss alles dafür bereit sein, dass am nächsten Tag aufs Neue gestartet werden kann.

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Für ihr jüngstes Filmprojekt „Lou Andreas-Salomé“ arbeitete die Maskenbildnerin aus Osttirol unter anderem mit Katharina Schüttler …

 

Hedi Mayr-Hassler ist in Nikolsdorf aufgewachsen, wo ihre Eltern ein Gasthaus führten. „Ich wollte schon als Kind in die Welt hinaus und eigentlich immer schon zum Film.“ Trotzdem ist die Osttirolerin bodenständig und tief verwurzelt mit ihrer Heimat geblieben. „Mir ist es ein Anliegen, bei meiner Arbeit natürliche Produkte zu verwenden. Von meiner Oma habe ich schon als Kind gelernt, wie man etwa Arnikaschnaps ansetzt oder Ringelblumensalbe herstellt. Solche Produkte aus der Heimat habe ich in kleinen Fläschchen oder Dosen bei Filmdrehs immer mit dabei“, schmunzelt sie. Inzwischen kann die Maskenbildnerin auf eine lange Reihe erfolgreicher Arbeiten zurückblicken. Für Comedy-Shows mit Django Asül und Willy Astor war sie genauso schon tätig wie für Fernsehserien (u.a. für „Schwarz greift ein“ mit Klaus Wennemann und die Krimiserie „Die Kommissarin“ mit Til Schweiger und Hannelore Elsner).

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… und Nicole Heesters zusammen.

 

Bei Dokumentationen des ZDF oder des Deutschen Roten Kreuzes war sie Mitglied der Crew. Schnitt-, Platz- und Stichwunden oder Verletzungen verschiedener Art standen für sie bei diesen Produktionen im Vordergrund. Demnächst wird Hedi Mayr-Hassler sich erneut auf den Weg machen, um für die Schauspielerinnen und Schauspieler der Bodensee-Krimis die Maske zu gestalten. „Bei meinem Beruf ist kein Tag wie der andere. Man lernt außergewöhnliche Menschen kennen und arbeitet an den ungewöhnlichsten Drehorten – von der zerfallenen Almhütte bis hin zum pompösen Palast. Bei den Dreharbeiten zu ,Der Stille Berg‘ habe ich Cortina d’Ampezzo als einen Lieblingsort für mich wiederentdeckt. Dort hielt ich mich als Kind schon gerne auf. Die hier vorherrschende Mischung aus einem beeindruckenden Bergpanorama und italienischem Flair finde ich sehr reizend. Ich fahre dort immer wieder einmal hin, um die inspirierende Atmosphäre zu genießen.“

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Privat