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Martin Fuetsch und sein Traum vom Fliegen

Die große Leidenschaft des 33-jährigen Matreier Hubschrauberpiloten ist die Gebirgsfliegerei. Wenn er das Triebwerk der Alouette III startet, ist er in seinem Element.

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Pilot zu werden ist der Kindheitstraum vieler Jungs. Martin Fuetsch aus dem Matreier Ortsteil Huben/Moos hat sich diesen Traum erfüllt. „In meiner Zeit an der HTL für EDV und Organisation in Villach ist mir der Gedanke, Pilot zu werden, immer im Kopf herumgegeistert. Konkret weiterverfolgt habe ich dieses Vorhaben aber erst nach der Matura“, erinnert sich der heute 33-Jährige zurück. Während des Präsenzdienstes meldete er sich für eine erste Auswahltestung an. „Eine Woche lang wurde meine körperliche und geistige Verfassung auf den Prüfstand gestellt. Es folgte ein dreimonatiges Auswahlverfahren, bei dem ich auch schon mit erfahrenen Piloten mitfliegen durfte. Über die eigentliche Zusage zur Ausbildung habe ich mich dann sehr gefreut!“ Damals war Martin 21 Jahre alt. Den ersten Teil des Tests schaffte er als einziger von 13 Bewerbern, im zweiten Abschnitt des Auswahlverfahrens wurde er – als einer von acht – unter 14 Bewerbern ausgewählt.

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Als einjährig Freiwilliger holte der Matreier seine militärische Ausbildung nach und konnte mit der Berufspiloten- und Einsatzpilotenausbildung starten. „Je nach persönlicher Präferenz und dem Bedarf von Seiten des Bundesheeres fällt eine Kommission die Entscheidung über den jeweiligen Ausbildungstypus (Hubschrauber, Flieger oder Jets). Ich persönlich wollte immer schon Hubschrauberpilot werden!“ Acht Monate lang absolvierte der Osttiroler die Hubschrauber-Grundschulung in Langenlebarn, an die sich die zweijährige Ausbildung zum Einsatzpiloten in Aigen im Ennstal anschließt. Die Hubschrauber-Grundschulung war, wie er erzählt, eine sehr umfangreiche, ähnlich der Berufspilotenausbildung im zivilen Bereich. Man fliegt von Flugplatz zu Flugplatz oder auch über längere Strecken. Im Hubschrauber sitzen zwei Piloten (Fluglehrer und Flugschüler) und ein Flight-Engineer. In der Nacht ist man mit Nachtsichtgeräten unterwegs. Bei der Einsatzpilotenausbildung kommen Außen- und Hochgebirgslandungen, Flüge mit Seilwinden und Außenlasten sowie Tiefflüge hinzu.

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„Die Ausbildung zum Hubschrauberpiloten ist eine große Herausforderung. Zu Beginn sitzt man bis zu zwölf Stunden am Tag im Unterricht, und danach muss natürlich auch noch gelernt werden. 2008 konnte ich meine Einsatzpilotenausbildung erfolgreich abschließen“, so der begeisterte Hubschrauberpilot. Seitdem ist er für das Bundesheer in ganz Österreich und im Ausland tätig. Stationiert ist er mit „seiner“ Alouette im steirischen Aigen im Ennstal. „Beim Bundesheer fliegt jeder Pilot eine bestimmte Hubschrauber-Type. Ich bin mit der Alouette III unterwegs. Bei jedem meiner Flüge ist auch ein Bordtechniker mit an Bord.“ Militärpilot zu sein, erfordert ein hohes Maß an Flexibilität. Bis zu drei Monate im Jahr ist Martin auf Auslandseinsatz, in den letzten Jahren u.a. im Kosovo oder in Bosnien. „Das österreichische Bundesheer hat in Sarajevo einen Notarzthubschrauber stationiert. Er kommt zum Einsatz, wenn z.B. Soldaten Hilfe benötigen. Im Vorjahr konnten wir aber auch bei der Hochwasser-Katastrophe in Bosnien Hilfestellung leisten“, erzählt Martin.

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Am Fliegerhorst in Aigen versieht er grundsätzlich von Montag bis Freitag seinen Dienst. „Die Alouette ist ein vollwertiger Rettungshubschrauber. Deshalb werde ich auch im Such- und Rettungsdienst eingesetzt.“ Bei all seinen Flügen trägt Martin eine Überlebensweste und einen persönlichen PLB-Notsender (Personal Locator Beacon). Mit dem Equipment, das an Bord mitgeführt wird, kann ein Pilot im Notfall zwei bis drei Tage überleben. 2012 hat Martin Fuetsch begonnen, beim HeliTeam in Nikolsdorf nebenberuflich als Pilot zu arbeiten. Drei Piloten wechseln sich dort ab. Osttirol-Rundflüge oder Personentransporte, zum Beispiel nach Klagenfurt oder Venedig, stehen auf dem Programm. Damit nicht genug, studiert der Matreier Hubschrauberpilot seit einiger Zeit auch Wirtschaftsinformatik an der Fernuniversität Hagen „Mir ist es sehr wichtig, mir ein zweites Standbein aufzubauen, auch für den Fall, dass ich die Fliegerei – aus welchem Grund auch immer – irgendwann einmal nicht mehr ausüben kann“, meint er.

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Erholung und Entspannung findet der Matreier beim Radfahren, Klettern, Bergsteigen und bei Skitouren. „Immer, wenn es mein Dienst zulässt, fahre ich heim. Meine große Leidenschaft ist die Gebirgsfliegerei. In den Osttiroler Bergen finde ich die besten Voraussetzungen dafür vor, mich zu erholen oder sportlich unterwegs zu sein.“ Das sprichwörtlich „höchste der Gefühle“ ist es für ihn aber nach wie vor, wenn er das Triebwerk seiner Alouette starten und in die Luft abheben kann. „Wenn ich von meinen Aufträgen zurückkomme, habe ich mir oft schon gedacht, dass dies mein schönster Flug war. Nach mittlerweile zehn Jahren als Pilot freue ich mich vor jedem Start wieder wie damals, als ich das erste Mal in einem Hubschrauber saß!“

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Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Kugler, BMLVS/GORUP