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10 Jahre Angerburg: 18 Nationen – ein Zuhause

Am 13. September 2004 zogen die ersten Menschen in das Wohnheim für Flüchtlinge in Lienz ein – am 12. September 2014 wird in der Angerburg das 10-Jahr-Jubiläum gefeiert.

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Heimleiterin Janette Schneider: „Die schönsten Erlebnisse sind, wenn ein Verfahren positiv erledigt und die Zeit des Wartens vorbei ist. Da habe ich dann immer Tränen in den Augen."

 

Janette Schneider nahm am 1. September 2004 ihre Tätigkeit als Leiterin des Flüchtlingsheims in der Lienzer Angerburg auf. „Am 13. September 2004 zogen hier die ersten 58 Menschen ein. Der Speisesaal war voll mit Spenden aus der Bevölkerung – Bettzeug, Vorhänge, Wäsche, Kleidung, Spielsachen, Lebensmittel und vieles mehr”, erinnert sie sich zurück. Derzeit leben 69 Asylwerber aus 18 Nationen in der Angerburg. Das Gebäude hat das Land von den Franziskanern angemietet. „Unsere Vermieter sind auch sehr geduldige Nachbarn, das ist für uns eine große Hilfe”, betont Schneider.

Insgesamt 360 Flüchtlinge – 113 alleinstehende Männer, 9 alleinstehende Frauen und 238 Personen aus 57 Familien – haben das Heim in den zehn Jahren bewohnt. 16 Familien, 19 Männer und eine Frau haben inzwischen in Lienz eine ständige Bleibe gefunden. Seit September 2004 wurden im Wohnheim für Flüchtlinge 18 Kinder geboren, drei Männer und eine Frau haben Einheimische geheiratet, ein Paar hat sich in der Angerburg kennengelernt und geheiratet. Am längsten wohnte eine Familie aus Armenien im Flüchtlingsheim in der Muchargasse – nämlich von März 2006 bis März 2012. Was war für Janette Schneider das schönste Erlebnis während ihrer Zeit als Leiterin des Flüchtlingsheimes? „Es gibt nicht nur ein schönstes Erlebnis, ich habe hier viele schöne Situationen erlebt. Am meisten freue ich mich immer, wenn ein Verfahren positiv erledigt wird – also wenn jemand einen Konventionspass, subsidiären Schutz oder humanitäres Bleiberecht erhält. Da habe ich dann immer Tränen in den Augen”, sagt die Wohnheim-Leiterin.

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Für die Bewohner der Angerburg engagieren sich oft auch Ehrenamtliche. Im Bild: Die BORG-Schülerinnen Melanie Kröll und Leonie Lanser betreuten Kinder im Rahmen eines Schul- und Sozialprojektes.

 

Mit zwei Mitarbeiterinnen und einem Mitarbeiter betreut Janette Schneider die Angerburg und das Flüchtlingsheim in Dölsach, in dem derzeit 26 Personen leben. Seit rund fünf Jahren wird in den Osttiroler Flüchtlingsheimen auch Deutsch unterrichtet. „Die Kinder lernen die deutsche Sprache im Kindergarten oder in der Schule. Für die Erwachsenen wird an 22 Stunden in der Woche in Lienz und Dölsach Deutschunterricht angeboten”, erklärt die Heimleiterin dazu.

In den zehn Jahren seit Bestehen wurde in der Angerburg auch einiges investiert. „Wir haben eine neue Küche, in der die Bewohner täglich von 7.00 bis 22.00 Uhr selbst kochen können, neue Fenster wurden eingebaut und auch die Sanitäranlagen erneuert”, erzählt Janette Schneider. Verändert hätte sich seit der Eröffnung im Jahr 2004 vor allem die Transparenz. „Wir müssen uns nicht mehr verstecken. Ich bin auch Obfrau des Weltbüros Lienz, und dadurch ergeben sich viele Möglichkeiten der Integration. Die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, mit den Schulen, den Gemeinden, den Gesundheitseinrichtungen und nicht zuletzt mit den Behörden funktioniert sehr gut”, betont die Heimleiterin.

Am Freitag, 12. September 2014, wird in der Angerburg das 10-Jahr-Jubiläum gefeiert. Um 15.00 Uhr gibt es zum Empfang ein internationales Buffet, um 16.00 Uhr eine interreligiöse Andacht mit Dekan Mag. Bernhard Kranebitter in der St. Josefs Kapelle. Nach Wortspenden von Vertretern der Gemeinde und des Landes gestalten die BewohnerInnen ab 17.00 Uhr ein vielfältiges Programm. Ab 18.00 Uhr wird im Garten gegrillt, und ab 20.00 Uhr geben „Abrahams Child” in der Kapelle ein Konzert. „Unsere Jubiläumsfeier ist offen für alle Interessierten. Wir freuen uns, wenn viele Osttirolerinnen und Osttiroler mit uns feiern”, so Janette Schneider abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Osttirol heute/Mühlburger, Kraner