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80 DarstellerInnen fiebern Passions-Premiere entgegen

Am 24. März feiert die Passion nach Lukas im Museum Aguntum in Dölsach Premiere. Etwa hundert Personen wirken mit, über 80 Akteure bespielen die 170 m² große Bühne.

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Theaterwerkstatt-Obmann Wolfgang Michor verkörpert Jesus Christus, Arete Riedl spielt die Maria, Brigitte Russ die Maria Magdalena. Durch das Spielgeschehen führt Evangelist Lukas, dargestellt von Robert Possenig. Den Verräter Judas spielt der Südtiroler Josef Mairginter, Michael Ploner verkörpert Herodes, Thomas Widemair den Pilatus. Barabbas wird von Franz Mietschnigg gespielt.

 

Respekt für den Mut, die Passion nach Lukas auf dem historisch bedeutsamen Boden von Aguntum umzusetzen, verdienen die Theaterwerkstatt Dölsach, der Seelsorgeraum Sonnseite und Regisseur Dr. Alfred Meschnigg. Üblicherweise setzt der zeitliche Rahmen von Passionsspielen mit dem Palmsonntag ein und konzentriert sich in weiterer Folge auf die Leidensgeschichte Jesu. Für den Autor der Textfassung der in Dölsach umgesetzten Passion, Dr. Alfred Meschnigg, der auch für Bühnenbild und Inszenierung verantwortlich zeichnet, ist es jedoch entscheidend, das Leben Jesu in einen größeren zeit- und weltgeschichtlichen Rahmen zu rücken. „Das Lukas-Evangelium finde ich am besten dafür geeignet, die Lehre und das Wirken Christi in den Fokus zu stellen. Eine zentrale Rolle nimmt für mich auch die Bergpredigt ein.“ Seine Botschaften habe Jesus, so der Regisseur, ohne Ausnahme an alle Menschen gerichtet. Dementsprechend werde im Lukas-Evangelium auch die Bedeutung gerechter sozialer Beziehungen, insbesondere zwischen Armen und Reichen, das Bemühen um Sünder und Geächtete der Gesellschaft sowie Jesu Einstellung gegenüber Frauen betont.

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„Für Jesus waren weder die soziale Stellung noch das Geschlecht wichtig. Jesus wandte sich gleichsam an Männer wie an Frauen. Dies galt in der damaligen Zeit als revolutionär“, erläutert der  Theaterwissenschaftler. „Frauen waren vom geistigen Leben der religiösen Gemeinschaft, von der Lesung der Schrift und von deren Auslegung ,ausgesperrt‘, d.h. ihnen wurde in dieser Hinsicht keinerlei Bedeutung zugemessen. Jesus nahm eine völlig andere Position ein. Er trat für Frauen ein, wenn ihnen Unrecht geschah. Er unterhielt sich auch öffentlich mit ihnen und setzte sich damit über die Sitten und Gebräuche seiner Zeit hinweg. Außerdem berief er auch Frauen in seine Jüngerschaft.“ Die Stellung der Frau im Neuen Testament sei so, wie Dr. Meschnigg informiert, eine deutlich andere als jene im Alten Testament.

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„Jesus übernahm keines der gängigen Vorurteile seiner Zeit. Dies zeigte sich auch darin, dass er sich dem verhassten Zöllner ebenso zuwandte wie er seine Güte Sünderinnen öffentlich zuteil werden ließ.“ Die Jüngerinnen Jesu hielten ihm, so das Lukas-Evangelium, die Treue bis in den Tod. Sie ergriffen nicht wie die Apostel die Flucht, sondern folgten ihm auf dem Kreuzweg, blieben bei ihm und nahmen Anteil an seinem Leiden. Sie eilten am dritten Tag zum Grab, um den Leichnam einzubalsamieren, fanden das Grab aber leer. Maria Magdalena war die Erste, die dem Auferstandenen begegnete und somit die Zeugin seiner Auferstehung. Sie erhielt den Auftrag, diese Botschaft den Aposteln zu überbringen.

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„Die Haltung Jesu gegenüber der Frau bestimmte auch das Urchristentum“, meint Alfred Meschnigg abschließend. „Frauen wirkten in großer Anzahl und auf unterschiedlichste Weise in der Frühzeit des Christentums mit. Doch die positive Rolle, die sie zu Anfang einnahmen, war von kurzer Dauer. Patriarchale Strukturen setzten sich in der Kirche durch und prägten die Stellung der Frau bis ins 20. Jahrhundert herauf maßgeblich mit.“

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Premiere am Freitag, 24. März 2017, 20.00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 25., 26., 30. und 31. März sowie am 1., 2., 6., 7., 8., 9., 11., 12. und 13. April; Beginn jeweils um 20.00 Uhr, sonntags um 18.00 Uhr

Vorverkauf und Reservierung:
www.passionsspiele-aguntum.at und Dolomitenbank Osttirol (Tel.-Nr. 04852/6665)

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images