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„Jedes Theater ist ein gesellschaftliches Ereignis!“

Der Theaterwissenschaftler Dr. Alfred Meschnigg setzt mit der Theaterwerkstatt Dölsach die Passion nach Lukas um. Wir baten den Kärntner zum Gespräch.

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Dr. Alfred Meschnigg: „Mir geht es beim Theatermachen darum, die kleinen zwischenmenschlichen Beziehungen und scheinbar unbedeutenden Ängste und Nöte menschlicher Existenzen behutsam herauszuarbeiten und zu einem Gesamtkunstwerk zu formen."

 

In der Fastenzeit 2017 wird die Passion im Museum von Aguntum auf einer 25 Meter breiten Bühne zur Aufführung kommen. Dr. Alfred Meschnigg hat die Spielvorlage verfasst und zeichnet für die Regie verantwortlich. Für das „Mega-Unternehmen“ sind rund 80 DarstellerInnen erforderlich. „Mit 14 Jahren stand ich in einem Gasthaus in meinem Heimatort Fürnitz das erste Mal auf einer Bühne. Später habe ich die Leitung der örtlichen Theatergruppe übernommen“, erinnert sich der Kärntner an die Anfänge seiner Leidenschaft für die Bretter, die die Welt bedeuten, zurück. Heute lebt er in Villach, das Studium der Theaterwissenschaften, Pädagogik und Publizistik hat er an der Universität Wien absolviert. Nach jahrzehntelanger Regiearbeit im In- und Ausland kann der Theatermann und Regisseur von vielen Stationen seines Schaffens erzählen. In Villach rief er einst die „Studiobühne Villach“ ins Leben, die er 16 Jahre lang auch führte. 24 Jahre lang leitete er das biennale Theaterfestival „spectrum“ mit jeweils 50 Vorstellungen an 5 Tagen. Rund 60 Inszenierungen gehen allein in den 16 Jahren seiner Tätigkeit bei der „Studiobühne Villach“ auf sein Konto – mit Gastspielen in Warschau, Breslau oder Monte Carlo.

2006 und 2010 hat Dr. Alfred Meschnigg die Passion in Lana bei Meran (Südtirol) auf die Bühne gebracht. Er stellte uns Bilder von diesen Aufführungen von Paul Peter Gasser zur Verfügung.

2006 und 2010 hat Dr. Alfred Meschnigg die Passion in Lana bei Meran (Südtirol) auf die Bühne gebracht. Er stellte uns Bilder von diesen Aufführungen von Paul Peter Gasser zur Verfügung.

 

13 Jahre lang arbeitete er in der Kulturabteilung des Landes Kärnten und engagierte sich 12 Jahre als Leiter der Kulturabteilung der Stadt Villach. Seit 1993 bringt der Kärntner jeweils am 2. Donnerstag im August im Rahmen von „Summertime“ direkt an der Drau in Villach 170 Darsteller des Nationaltheaters Brünn auf die Bühne – mit 15.000 bis 20.000 Besuchern jährlich. Seit 25 Jahren fühlt sich Regisseur Meschnigg auch den Südtiroler Theatervereinen stark verbunden. „Dort agieren höchst aktive Amateurbühnen. Aus dem Zusammenschluss von vier Bühnen entstanden die ,Vereinigten Bühnen Bozen‘. 1995 erhielt ich den Auftrag, daraus ein professionelles Theater zu formen“, berichtet er aus der Zeit, als er als erster künstlerischer Leiter für das Programm der Spielzeiten 1996 bis 1998 verantwortlich war. Nach sehr erfolgreichen Jahren gelang es 2003, die „Vereinigten Bühnen Bozen“ in ein öffentlich rechtliches Theater überzuführen.

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2012 inszenierte Alfred Meschnigg im Museum Aguntum „Die Chinesische Mauer“ von Max Frisch.

 

„Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr, „Der Untertagsblues“ von Peter Handke und im Vorjahr „Die Wanderhure“ von Iny Lorentz sind nur einige Beispiele der über 20 Inszenierungen des Villachers in Südtirol. „Mein Anliegen war und ist es, die Südtiroler Amateurbühnen auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen Anregungen zur Weiterentwicklung zu geben.“ Auch im fernen Schweden konnte Alfred Meschnigg Inszenierungen umsetzen. Er war und ist ein gefragter Referent für Theaterregie-Seminare, unterrichtete „Darstellendes Spiel“ an der Universität und an der Pädak in Klagenfurt. Als Präsident des über 60 Länder umfassenden Theaterverbandes AITA/IATA lernte er die unterschiedlichsten Menschen kennen. „An eine Begegnung mit Fürst Rainier und Caroline von Monaco kann ich mich noch besonders gut erinnern.“

Jedes Theater ist für ihn auch ein gesellschaftliches Ereignis. „Das Theater steht für mich im Mittelpunkt aller Künste. Neben der Darstellenden Kunst sind mir bei meiner Arbeit auch die Architektur – ich mache übrigens die meisten Bühnenbilder selbst – und Musik besonders wichtig.“ Seine monatelangen Hospitanzen bei Giorgio Strehler in Mailand und Peter Hall in London hätten tiefe Eindrücke bei ihm hinterlassen, erzählt er. „Mir wurde bewusst, dass man dem Theater mit der Gestaltung von Spielplänen ein Gesicht gibt. Es gilt, die kleinen zwischenmenschlichen Beziehungen und scheinbar unbedeutenden Ängste und Nöte menschlicher Existenzen behutsam herauszuarbeiten und zu einem Gesamtwerk zu formen. Theater prägt die Identität einer Gruppe. Es repräsentiert auch die kulturellen Fähigkeiten einer Region, eines Landes.“

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Die Aufführung einer Passion ist für Alfred Meschnigg so auch ein Mittel kultureller Impulssetzung. „Bei der Passion 2017 gilt dies sowohl für den lokalen, als auch für den regionalen und überregionalen Bereich.“ Sein Verständnis von Theater ist es, dass er darin auch eine besondere und direkte Möglichkeit sieht, Strömungen und Veränderungen einer Kultur wahrzunehmen und aufzuzeigen. „Der Mensch steht für mich dabei immer im Mittelpunkt – als Autor, als Dramaturg, als Darsteller und auch als Inhalt. Der Mensch ist somit Subjekt und Objekt zugleich.“ Besonders wichtig ist es dem Regisseur, dass sich unsere Gesellschaft wieder ihrer christlichen Werte besinnt. „Ich stelle die Bergpredigt in das Zentrum meiner ,Passion‘. Die Botschaften aus der Bergpredigt sind für mich das Fundament abendländischer Kultur. Das ,Passionsspiel‘ in Aguntum beinhaltet nicht nur die letzten Tage Jesu – vom Palmsonntag bis zum Karfreitag; wir setzen die gesamten drei Jahre des Wirkens Jesu in Szene – von der Taufe am Jordan bis zur Auferstehung. Nur so können die Botschaften Jesu, der Einblick in die politischen Machtverhältnisse und die Hintergründe der Verurteilung ausgeleuchtet und verstanden werden.“

Zum Abschluss unseres Gespräches betont Alfred Meschnigg, wie wichtig es für ihn ist, dass für die Passion in Dölsach genügend Darsteller und Statisten gefunden werden. Ein weiterer Informationsabend dazu findet am Sonntag, 13. November, um 18.00 Uhr, im Tirolerhof in Dölsach statt. „Wir suchen noch Leute und werden an diesem Abend über Spielfassung, Organisation, Probenpläne und Aufführungstermine informieren. Also: Vorbeikommen, informieren und mitmachen!“

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger, Paul Peter Gasser, Brunner Images