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Hermann Pedits Appell an die Humanität

Kunstwerke, die in ihrer Thematik nicht aktueller sein könnten, sind als Bildtafeln seit 24.8. in Lienz zu sehen. Zur Vernissage reiste der bekannte Journalist Friedrich Orter an.

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Erinnerung an Hermann Pedit und sein Werk am Abend der Vernissage in Lienz: Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik mit Pedits Gattin Elisabeth und Sohn Gaudens sowie dem Journalisten Friedrich Orter

 

Im Herzen von Lienz wurde am Mittwochabend, 24.8., die Ausstellung „Nacht der Seele“ mit Werken des Osttiroler Künstlers und Ehrenringträgers der Stadtgemeinde Lienz, Hermann Pedit, eröffnet. Der laue Sommerabend und das sich für Ausstellungen dieser Art wunderbar eignende BORG-Areal bildeten die äußeren Rahmenbedingungen für eine ernste Thematik, die die zahlreich erschienenen Besucher der Vernissage sichtlich fesselte.

Auf die Parallelen zwischen dem Beginn des Balkankrieges vor 25 Jahren, dessen furchtbares Gesicht Hermann Pedit in seinen Arbeiten ebenso einfühlsam wie erschütternd dargestellt hatte, ging die Bürgermeisterin der Stadtgemeinde Lienz in ihrer Eröffnungsansprache ein. „Damals ist etwas Unglaubliches geschehen“, so Elisabeth Blanik, „und heute müssen wir feststellen, dass alles wieder da ist: die Nationalismen, die Unruhe und das Gegeneinander!“ Sie brachte ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass die Auseinandersetzung mit historischen Katastrophen einer der wenigen Wege sei, ähnlichen Entwicklungen in Zukunft vorzubeugen zu können und hielt fest, dass der Ort der Ausstellung – das Areal einer Schule – gut gewählt sei: „So können sich vor allem auch junge Menschen mit Hermann Pedits Werk und der Botschaft seiner Bilder beschäftigen.“

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An seine Begegnungen, an viele Gespräche und Diskussionen mit dem 2014 verstorbenen Kunstschaffenden erinnerte sich der bekannte Journalist und Buchautor Friedrich Orter, der als ORF-Reporter jahrelang von den Kriegsschauplätzen dieser Welt berichtete. Orter, der bis heute eine Freundschaft mit Familie Pedit pflegt, erzählte, dass ihn Hermann Pedit damals kontaktiert und um Videomaterial und Informationen ersucht habe. „Wie große Künstler vor ihm, z.B. Goya oder Picasso, hat auch er versucht, die Grausamkeit des Krieges auf eine ganz besondere und individuelle Art und Weise darzustellen. Die Werke aus dem Zyklus `Nacht der Seele`sind eine Aufforderung gegen das Vergessen“, so Orter, der passend dazu auch den US-amerikanischen Schriftsteller William Faulkner zitierte: „Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen!“

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Bis Ende Oktober 2016 können die insgesamt 34 Bildtafeln – 21 im Rahmen des Museumspfades beim BORG an der alten Stadtmauer und 13 am Freigelände der Durst Gruppe in der Peggetz – besichtigt werden. In Ergänzung dazu zeigt die Galerie Gaudens Pedit am Brennerleweg in Lienz Originalwerke und Skizzen Hermann Pedits. Alle 120 Werke des Bildzyklus „Nacht der Seele“ sind in einer Publikation abgebildet, die aus Anlass der Ausstellung erschienen ist.

 

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Text: E. & J. Hilgartner, Fotos: Brunner Images