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Lienz: Kunst gegen das Vergessen

An den Beginn der Balkankriege vor 25 Jahren sollen zwei außergewöhnliche Museumspfade unter dem Titel „Hermann Pedit – Nacht der Seele“ erinnern. Vernissage am 24.8. in Lienz.

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Hermann Pedit, „Trauer um Fatima“, Öl auf Leinwand, 1998

 

Insgesamt 34 Bildtafeln – 21 in Form eines Museumspfades beim BORG an der alten Stadtmauer und 13 am Freigelände der Durst Gruppe in Peggetz – werden ab Mittwoch, 24.8., in Lienz zu sehen sein – als ein außergewöhnliches Mahnmal gegen den Krieg und als ganz besondere Erinnerung an den im November 2014 verstorbenen Doyen der Osttiroler Kunst, Hermann Pedit. Dieser hatte während der Balkankriege mehrmals die Krisengebiete bereist und seine Eindrücke und Erfahrungen vor Ort in Skizzen und Studien verarbeitet, auf Basis derer dann in seinem Lienzer Atelier beeindruckende Ölbilder entstanden. Die Werke des Bildzyklus „Nacht der Seele“ wurden in den Jahren 1998 bis 2002 in vielen großen musealen Ausstellungen gezeigt, heute kommt der inzwischen historischen Serie eine allgemeinere, vom damals aktuellen Geschehen distanzierte, humanitäre Bedeutung zu.

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Zwei Motive veranlassten Hermann Pedit einst zu der sich über die Jahre 1997 bis 2002 erstreckenden künstlerischen Arbeit: die Erinnerung an seine Kindheit, als er die Auswirkungen eines national geprägten, totalitären Systems selbst miterlebte und andererseits viele schöne Urlaubsreisen mit seiner Familie in den 1960er- und 70er-Jahren an die Küsten Istriens und Dalmatiens.

 

Eröffnet wird der Museumspfad beim BORG an der alten Stadtmauer am Mittwochabend, 24.8., um 19.00 Uhr von der Lienzer Bürgermeisterin LA DI Elisabeth Blanik. Zur Vernissage werden auch der ehemalige ORF-Kriegsberichterstatter Dr. Friedrich Orter, den Hermann Pedit am Balkan kennenlernte, und Dr. Susanne Scholl (ehem. ORF-Auslandskorrespondentin) erwartet. Gleichzeitig wird auch der Museumspfad am Freigelände der Durst Gruppe in der Peggetz für die Öffentlichkeit freigegeben. Die Fa. Durst hat alle Bildtafeln auf Basis der Originalwerke mit Tintenstrahldruck auf Alu-Dibond realisiert.

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Bei seinen Reisen durch die Krisengebiete sprach Pedit auch mit Augenzeugen und stand vor geöffneten Massengräbern. Wertvolle Informationen in Wort und Bild verdankte er den in der Region tätigen Journalisten, u.a. Dr. Friedrich Orter.

 

Im Gartenatelier des Künstlers am Lienzer Brennerleweg zeigt die Galerie Gaudens Pedit bis 31.10.2016 weitere Werke. Außerdem erscheint anlässlich der Ausstellung auch eine Publikation, in der 120 Werke des Bildzyklus „Nacht der Seele“ abgebildet sind und in der bekannte Persönlichkeiten wie Erhard Busek, Egon Kapellari, Friedrich Orter und Susanne Scholl u.a. die Situation im zerfallenden Jugoslawien analysieren und Parallelen zur aktuellen politischen Lage ziehen.

 

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Text: E. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger, Osttirol heute/R. Mühlburger, privat, Galerie Gaudens Pedit