osttirol-heute.at Online-Magazin für die Region Osttirol
Artikel drucken

Sebastian Rainer: „Die Figur ist mein Medium!“

Der Schlaitner Bildhauer war 2015 als einer von nur drei Österreichern auf der größten Skulpturenausstellung Europas – der Bad RagARTs Triennale – vertreten.

sebastianrainer schlaiten ohdhgal1.jpg

 

Nicht nur seine „Stelen“ – zuletzt stellte er eine aus alten Zeitungen und Magazinen her – finden in der Kunstszene über die Grenzen Österreichs hinaus Beachtung. Sebastian Rainer ist gerade dabei, seine Ausstellung „MIX“ in der Galerie „Am Dorfplatz“ in Schlaiten abzubauen, als er uns einen Einblick in seine wunderbare Welt der Bildhauerei, der Formen und Strukturen gewährt. Schon als Kind, erzählt er, habe er Krippenfiguren aus Holz geschnitzt, später aber zunächst das Handwerk des Musikinstrumentenbauers erlernt. Seine Gesellenprüfungen legte er Anfang der 1980er-Jahre in den Bereichen Saiten- und Blechblasinstrumente ab. „Sieben Jahre war ich auch als Instrumentenbauer in Lienz tätig. Schon damals zog es mich immer mehr zur Bildhauerei hin, und so konnte ich 1987 auch die Bildhauerprüfung in Wien ablegen“, erinnert er sich zurück.

sebastianrainer schlaiten ohdh1

 

Nachdem er einige Jahre als Bildhauer für verschiedene Betriebe arbeitete, machte er sich 1992 als freischaffender Künstler mit einem Atelier in Ainet selbstständig. „Ich komme aus dem Handwerk und sehe mich auch nach wie vor als Handwerker. Zu Beginn meiner Bildhauer-Tätigkeit inspirierten mich v.a. Vertreter der Deutschen Spätgotik (wie Tilman Riemenschneider oder Veit Stoß) und der Tiroler Michael Pacher. Diese Künstler haben ihre Werke zum Großteil nicht signiert, was ausdrückt, wie verinnerlicht die Kunst damals war. Nicht der Künstler stand im Zentrum, sondern das Werk und die Botschaft dahinter“, erklärt der Schlaitner. Geschichte und Kunstgeschichte sind auch die bevorzugten Inhalte, wenn er Bücher liest oder Radiosendungen hört.

sebastianrainer schlaiten ohdhgal5.jpg

 

Ende der 1980er-Jahre sei dann die Zeit reif gewesen, einen eigenen Weg zu finden. Er begann, so genannte „Stelen“ anzufertigen – meterhohe Gebilde aus Holz, aus Terrakotta oder aus Stein. Erste Ausstellungen in Ost- und Nordtirol folgten. 2001 zeigte er seine Arbeiten im Kunsthaus Kandersteg in der Schweiz, 2002 bei der Kunst- und Antiquitätenmesse in der Wiener Hofburg und 2004 in der Galerie am Salzgries in Wien. Mit dem Metallbildhauer Peter Egartner trat er gemeinsam bei einigen Ausstellungen auf, außerdem unterrichtete er auch an der internationalen Sommerakademie in Lienz. „Beim höchsten Bildhauersymposium Europas, das sich dem Thema Klimawandel widmete, war ich auf der Stüdlhütte mit einer Stele vertreten. ,Glocknerakantus‘ habe ich dieses Werk genannt. Im Zuge dieses Events habe ich weiters eine Traktorspur in eine Steinplatte auf dem Weg Richtung Großglockner geschliffen.“

rainersebastian3 c hotzler

 

Im Rahmen des Projektes „Kunst-Adventkalender auf der Lienzer Liebburg“ waren in den vergangenen Jahren wiederholt Werke des kunstschaffenden Schlaitners zu sehen, der zu Hause auf seinem Bauernhof Hochlandrinder züchtet. Vor vier Jahren eröffnete Sebastian Rainer gemeinsam mit den Virgentalern Michael Lang und Gerold Leitner das Atelier „Die 3 Bildhauer“ in der Lienzer Messinggasse. „Das Bestreben, Figuren zu stilisieren und sie auf das Nötigste zu reduzieren, ohne die Spannung zu brechen, steht nun schon seit 30 Jahren im Mittelpunkt meiner Arbeiten“, sagt Rainer, der sich auch immer mehr mit Bronze oder Material-Mixes beschäftigt.

rainersebastian5 c hotzler

 

Vertreten ist der Bildhauer auch regelmäßig auf dem „Kulinarik & Kunst Festival“ in St. Anton am Arlberg, wo alljährlich Künstler auf Spitzenköche aus der ganzen Welt treffen. „Untertags geht es bei diesem Symposium um Kunst, am Abend dürfen wir die kulinarischen Werke der Kochgrößen genießen. Heuer im Juli werde ich dort eine drei Meter hohe Stele präsentieren, die ich aus rd. 40.000 Blättern eines örtlichen Hochglanzmagazines angefertigt habe. Dafür wird das Papier mechanisch gepresst.“ Wie bei allen seinen Werken ist auch bei dieser Stele der „stilisierte Mensch“ das Thema.

rainersebastian13 c hotzler

 

Mit seinen Werken will Sebastian Rainer gesellschaftliche Entwicklungen aufzeigen und Emotionen wecken. Aus Terrakotta hat er z.B. die Figuren hergestellt, die Jugendliche zeigen, die mit ihren Smartphones „spielen“, und diese auf ein Altholz-Stück von seinem Geburtshaus gesetzt. „Wenn ich aus unserem Atelier in der Messinggasse schaue, beobachte ich oft die sich mit ihren Handys beschäftigenden jungen Menschen. Mit ,Haltestelle‘ habe ich diese Arbeit betitelt.“ Provozieren sei nicht sein Credo, meint Sebastian. Vielmehr möchte er zum Nachdenken anregen und aufzeigen, wie sich – wie in diesem Fall – die Kommunikation unter jungen Menschen verändert habe.

rainersebastian6 c hotzler

 

Vor Jahren hat er mit dem Modell „Lampedusa – Das Boot ist voll?“ die Migrationsströme in Richtung Europa thematisiert, und auch der Massenansturm auf Berggiganten wie Mount Everest oder Matterhorn waren bereits Thema seiner Figuren. „Ich suche mir meine Form und will mit dem Geschaffenen berühren, die Menschen direkt ansprechen und Emotionen auslösen“, meint er abschließend.

 

  • rainersebastian10_c_hotzler
  • rainersebastian11_c_hotzler
  • rainersebastian12_c_hotzler
  • rainersebastian7_c_hotzler
  • rainersebastian8_c_hotzler
  • sebastianrainer-schlaiten-ohdhgal2.jpg

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/David Hotzler