- Kultur
- Samstag, 30. Juni 2012
Auseinandersetzung mit der Tiroler Geschichte
Das RLB-Atelier der Bankstelle Lienz zeigt derzeit eine Personale von Herwig Zens. Am Abend des 29. Juni wurde die Ausstellung, die bis 14.9.2012 zu sehen ist, eröffnet.

Der Wiener Künstler Herwig Zens hat enge Beziehungen zum Bezirk Lienz.
Herwig Zens, emeritierter Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien und seit 2006 freischaffender Künstler, hat eine enge Beziehung zu Osttirol. Einen Teil seiner Kindheit bzw. Jugend hat er im Bezirk Lienz verbracht und die Großglocknergemeinde Kals ist bis heute sein bevorzugtes Urlaubsdomizil. Dort hat er auch das örtliche Rathaus künstlerisch gestaltet. Zens, der sich in seinem Werk auch intensiv mit dem Thema Tod auseinandersetzt, schuf bislang über tausend Zeichnungen, Radierungen, Ölbilder und druckgrafische Werke, die er in über 100 Einzelausstellungen in Europa und den USA präsentierte. 2011 wurde ihm das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen.
In seiner aktuellen Ausstellung in Lienz finden sich vor allem Zeichnungen, Radierungen und Druckgrafiken, die sich thematisch der Tiroler Geschichte widmen. Das Hauptstück der Schau stellt die fast noch druckfrische „Maximiliansmappe“ dar. Gemeinsam mit der Wiener Siebdruckwerkstätte Stalzer hat der Künstler acht Blätter um die Figur des „letzten Ritters“ gestaltet. Am Beginn steht das große kaiserliche Repräsentationsporträt. Diesem folgen zwei Variationen aus dem kaiserlichen Festzug. Weitere fünf Blätter zeigen höfische Jagdszenen, darunter auch - als räumlicher Bezug zu Osttirol - der „Krebsenfang in der Lienzer Klause“.
Auch im zweiten Teil der Ausstellung beschäftigt sich Zens mit der Tiroler Geschichte. Eine monumentale Radierung widmet sich „Ötzi“ in dessen Auffindungsjahr, zwei Blätter setzen sich mit dem Grabmal Kaiser Maximilians auseinander. In einer Radierung „bespricht Kaiser Maximilian mit dem Tod die Gestaltung seines Grabmales“. Eine Lithografie ist den Frauen, die sich neben den „Schwarzen Mandern“ auf dem Grabmal finden, gewidmet.

Der Osttiroler Archäologe Univ.-Prof. Dr. Harald Stadler sprach einführende Worte. RLB-Bankstellenleiter Dir. Karl Brunner konnte zur Vernissage auch die Lienzer Bgm. DI Elisabeth Blanik und Bgm. Klaus Unterweger aus Kals begrüßen.
Ein Kuriosum innerhalb des Werkes von Herwig Zens ist das „radierte Tagebuch“, das er seit 35 Jahren auf 40 x 5 cm großen Kupferplatten führt, in die er banale und wichtige Notizen aus seinem Alltag einätzt und das er selbst als Versuch sieht, die Endlichkeit der Zeit zu bannen, also dem Tod versuchsweise entgegenzuwirken. Derzeit nähert er sich der 700. Platte. Aus diesem im Gutenberg-Museum in Mainz präsentierten Werk sind Beispiele zu sehen, die sich mit Osttirol und insbesondere mit Lienz beschäftigen.
Die Ausstellung „Herwig Zens“ im RLB-Atelier in Lienz ist bis 14. September zu den Banköffnungszeiten zu besichtigen.
Text: Redaktion, Fotos: Brunner Images

