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Lienz als Schauplatz von Hüft- und Knie-Symposium

Über 70 Orthopäden und Chirurgen tauschten sich im BKH Lienz über Innovationen sowie die neuesten Erkenntnisse im Bereich der Hüft- und Knie-Endoprothetik aus.

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Das Bezirkskrankenhaus Lienz war am 15. und 16. September Schauplatz des 4. internationalen Hüft- und Knie-Symposiums. Die Organisatoren, Dr. Valjdet Saciri und Dr. Herbert Strobl, konnten mit Dr. Frederic Laude, Prof. Dr. Olivier Borens und Prof. Dr. F. Niklaus Friederich anerkannte Koryphäen im Bereich der Hüft- und Knie-Endoprothetik für Vorträge gewinnen. „Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Dies bestätigen uns auch die zahlreichen sehr positiven Rückmeldungen“, berichtet FA Dr. Herbert Strobl. Gemeinsam mit OA Dr. Valjdet Saciri leitet er den Fachschwerpunkt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, der 2003 am BKH Lienz installiert wurde. Inzwischen hat sich die Einrichtung zu einem renommierten Referenz- und Ausbildungszentrum für die minimal-invasive Implantation von Hüft- und Knie-Endoprothesen entwickelt.

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v.l.n.r.: Prof. Dr. Olivier Borens, OA Dr. Valjdet Saciri und FA Dr. Herbert Strobl

 

„Wir therapieren und operieren hier in Lienz auf internationalem Niveau und stehen darin großen medizinischen Zentren um nichts nach“, verweist Dr. Saciri auf die hohe Qualität des  Behandlungsangebotes in Osttirols größter medizinischer Einrichtung. Knie-und Hüftprobleme betreffen, so die beiden Mediziner, längst nicht mehr nur ältere Menschen. „Während früher der künstliche Gelenkersatz mit langen Rekonvaleszens-Zeiten verbunden war, sichern heute minimal-invasive OP-Techniken sehr patientenschonende Methoden. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Ein großer Teil der Patienten kann bereits am ersten postoperativen Tag mobilisiert werden.“

 

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Mit Prof. Dr. Olivier Borens aus Lausanne, Dr. Frederic Laude aus Paris und Prof. Dr. F. Niklaus  Friederich aus Basel (v.l.n.r.) konnten prominente Experten für das Symposium gewonnen werden.

 

Was der moderne Gelenkersatz an der Hüfte leisten kann, erläutert Dr. Herbert Strobl: „Seit 2005 wenden wir am BKH Lienz die AMIS-Technik an. Dabei wird über einen kurzen Hautschnitt der Zugangsweg zum erkrankten Hüftgelenk unter Schonung der Muskulatur und Sehnen angelegt. Diese Methode der Implantierung einer Hüft-Endoprothese ist mittlerweile ein gängiges und bewährtes Verfahren, das sich als sehr sicher und effektiv erwiesen hat. Heute gehört die Hüftgelenk-Ersatzoperation zu den erfolgreichsten chirurgisch-traumatologischen Eingriffen. Sowohl mittel- als auch langfristig kann der an einer Arthrose erkrankte Patient so eine deutliche Schmerzreduktion, eine wesentlich verbesserte Lebensqualität und eine große Zunahme an Mobilität erreichen.“ Dass die Entwicklung nicht stehen bleibt, dass die Techniken immer schneller, besser und die Materialien immer langlebiger werden, sei, so der Lienzer Facharzt, eine der Kernaussagen des Referats von Dr. Frederic Laude von der Clinique Paris. „Er hat Pionierarbeit geleistet und die Hüftoperation von vorne nach der AMIS-Methode entwickelt.“

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Hightech-Materialien als Ersatz für Hüft- und Kniegelenke

 

Aus der Diskussion mit den Symposium-Teilnehmern konnten Dr. Strobl und Dr. Saciri auch die Erkenntnis gewinnen, dass weltweit wesentlich mehr periprothetische Infektionen beim Gelenkersatz auftreten als bisher gedacht. „Die gute Nachricht für die Patienten ist, dass wir heute bei derartigen Infektionen mit einem optimalen Diagnose-/Therapiekonzept und mit der nötigen Geduld Behandlungserfolgsraten von über 90 Prozent sichern können“, hält dazu Valjdet Saciri fest.

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„Verschiedene Methoden für die Therapie periprothetischer Infektionen zeigte uns eine der Kapazitäten auf diesem Gebiet, Prof. Dr. Olivier Borens vom Schweizer Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, in seinem Referat auf.“ Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass sich hinsichtlich der Keimbelastung kleinere Krankenhäuser gegenüber großen Zentren eindeutig im Vorteil befinden. „Dies belegen wissenschaftliche Studien sehr deutlich!“ Der zweite Schwerpunkt des Symposiums in Lienz galt der Knie-Endoprothetik. Hier bestätigten die Experten die Erfolge der Implantationsmethode „my knee“. „Dabei werden schon vor der Operation CT- oder MRT-Bilder aus der radiologischen Untersuchung des Knies zur Herstellung eines individuellen, dreidimensionalen Modells verwendet. Auf Basis dieser aufwändigen Vorarbeit gelingt es, bei der Implantation so vorzugehen, dass wesentlich bessere Ergebnisse in Hinsicht auf Beweglichkeit und auch Langlebigkeit der Endoprothese erzielt werden. Die Prothese schmiegt sich bei der OP besser in den Knochen ein und bleibt in ihrer optimalen Position“, informiert dazu Dr. Saciri.

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„Nicht zu vergessen ist in diesem Konnex allerdings, dass das Knie ein sehr kompliziertes Gelenk mit einer besonderen Biomechanik ist. Es weist, im Gegensatz zu anderen Gelenken, wie etwa der Hüfte, keinen starken umgebenden Muskelmantel auf. Es ist als gewichtstragendes Gelenk großen mechanischen Belastungen ausgesetzt und damit sehr verletzungsanfällig.“ Die medizinische Forschung in der Knie-Endoprothetik ziele, so Saciri abschließend, u.a. in Richtung Knorpel erhaltende und Knorpelschaden vermeidende Therapien. „Prof. Dr. F. Niklaus Friedrich vom Universitätsspital Basel, ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet, hat uns dies in seinem Referat ebenso vermittelt wie die Tatsache, dass digitalisierte Operationstechniken in Zukunft eine immer größere Rolle spielen werden.“

Text: E. & J. Hilgartner, Fotos: Brunner Images