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Mit den richtigen Experten Schlafstörungen auf der Spur

Nur eine fachkundige Analyse macht es möglich, einzelnen Störfaktoren, aber auch Risiken auf den Grund gehen. Ansprechpartner dafür findet man in der HNO-Abteilung am BKH Lienz.

schlaflabor bkhlienz martinlugger

Wer schnarcht, bringt nicht nur den Bettnachbarn, sondern häufig auch sich selbst um den Schlaf.

 

Spätestens wenn Atemaussetzer mit im Spiel sind, sollten Betroffene zum Arzt. Grundsätzlich unterscheidet man, so Primar Dr. Kurt Freudenschuss, verschiedene Formen des Schnarchens: „Das einfache oder primäre Schnarchen macht sich nachts lautstark bemerkbar, kann sozial sehr störend sein, zeigt aber per se nur geringe Folgen für die Gesundheit des Schnarchers. Gefährlich wird es, wenn der Schlaf laufend von Atemaussetzern unterbrochen wird.“ Die Mediziner nennen dieses Phänomen „obstruktive Schlafapnoe“. Atemstillstände von einigen Sekunden bis zu einer Minute führen zu einer Sauerstoff-Unterversorgung von Organen und Gehirn und stellen für den Körper eine große Belastung sowie enormen Stress dar. Der Betroffene wacht meist zwar nicht ganz auf, Tiefschlafphasen, die zur Erholung und Regeneration unerlässlich sind, gibt es jedoch beinahe keine mehr. Zunächst machen sich die durchschnarchten Nächte über Symptome wie Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, Hyperaktivität, Konzentrationsstörungen oder Gereiztheit bemerkbar. In weiterer Folge kann die Schlafapnoe zu Bluthochdruck, Diabetes oder auch Tinnitus führen. Das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall ist deutlich erhöht.

primar freudenschuss martinlugger

Primar Dr. Kurt Freudenschuss

 

Klarheit über die Form der Schlafstörung bringt eine Diagnose in der Schnarchambulanz oder im „kleinen“ Schlaflabor der HNO-Abteilung am BKH Lienz. Mittels Screening-Polygraphie werden hier die Sauerstoffsättigung im Blut und die Atmungstätigkeit über die Nase gemessen sowie Atem-/Schnarchgeräusche und die Lage des Körpers aufgezeichnet. Rund 100 PatientInnen, mehr Männer als Frauen, unterziehen sich pro Jahr dieser Untersuchung, die es notwendig macht, eine Nacht im Krankenhaus zu verbringen. „Die Terminvereinbarung erfolgt über den niedergelassenen HNO-Facharzt und unsere Schnarchambulanz. Nach der Aufnahme und einer fachkundigen Erklärung werden Betroffene am Nachmittag `verkabelt`, d.h. sie werden an ein etwa Handy großes Gerät mit Brust- und Bauchgurt, Pulsmesser mit Fingerclip und Nasensensor angeschlossen. Die eigentliche Messung startet gegen 22.00 Uhr und dauert in der Regel bis 6.00 Uhr früh an“, beschreibt HNO-Spezialist Kurt Freudenschuss den Ablauf einer Screening-Polygraphie.

Vom Ergebnis der Datenauswertung hängt ab, ob eine weiterführende Untersuchung in einem Schlaflabor in Villach oder Innsbruck mit Videoaufzeichnung und Hirnstromanalyse notwendig bzw. welche Therapie ratsam ist. Die Palette reicht von konservativen Maßnahmen (wie Nasenspreizern, Rückenlageverhinderungsweste oder Protusionsschienen) bis hin zu einer Reduktion des Körpergewichtes und über das nächtliche Tragen einer C-PAP-Maske bis hin zu operativen Techniken (wie Radiofrequenztherapie, Operation am Gaumen oder Septumkorrektur). „Von großer Bedeutung ist eine freie Nasenatmung. Eine Operation sollte erst am Ende der Therapieskala stehen und nur unter klarer Indikation vorgenommen werden“, so Primar Dr. Kurt Freudenschuss.

Text: E. Hilgartner, Fotos: Martin Lugger