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Lienzer Krankenhaus erhielt Selbsthilfe-Zertifikat

Als erstes Tiroler Krankenhaus bekam das BKH Lienz am Montag, 4. Juli 2016, bei einer kleinen Feier das Zertifikat „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ verliehen. 

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v.l.n.r.: Prof. Dr. Siegfried Walch (MCI Innsbruck), Maria Grander (Präsidentin Dachverband), Geschäftsstellenleiterin Christine Rennhofer-Moritz, Verwaltungsdirektorin Mag. Helene Brunner, Obfrau Daniela Meier MBA, Prim. Dr. Andreas Mayr (Ärztl. Direktor), Verbandsobmann Bgm. BR Dr. Andreas Köll

 

„Das Zertifikat ist eine große Anerkennung auf einem auch wissenschaftlich hohen Level, dem ein jahrelanger Entwicklungsprozess vorausgegangen ist“, so Daniela Meier, MBA, Obfrau der Selbsthilfe Osttirol, bei ihrer Begrüßung. Das Bezirkskrankenhaus Lienz hat sich erfolgreich um die Auszeichnung „Selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ beworben. Am Montag, 4. Juli, wurde das Zertifikat offiziell überreicht. Mit 55 Selbsthilfegruppen und über 5.000 Klientinnen und Klienten hätten die nunmehrige Geschäftsstellenleiterin Christine Rennhofer-Moritz, Obfrau Daniela Meier und viele weitere engagierte Personen einen mustergültigen Zweigverein aufgebaut, lobte Bgm. BR Dr. Andreas Köll, Obmann des Gemeindeverbandes BKH Lienz. „Als Gemeindeverband stellen wir für die Selbsthilfe Mitarbeiterinnen und Infrastruktur zur Verfügung. Ich nehme die Auszeichnung stellvertretend für die rund 850 MitarbeiterInnen des Krankenhauses entgegen“, so Köll.

Prof. Dr. Siegfried Walch vom Department für Sozial- und Gesundheitsmanagement des MCI Innsbruck hat den Prozess begleitet. Er stellte in seinem Referat das gemeinsame Arbeiten an einer neuen Kultur des Gesundheitswesens in den Vordergrund. Die Niederlande lägen in der Repräsentation von Patienteninteressen ganz vorne, weil sie seit den 1990er-Jahren konsequent versuchen würden, die Patienten aktiv einzubinden. „Der Kranke wird dort nicht mehr nur als Opfer gesehen. Die Niederlande appellieren konsequent an ihre BürgerInnen, gesund zu leben, aber auch aktiv an der Verbesserung des Gesundheitswesens mitzuwirken“, so Walch. Ein Krankenhaus könne sehr wohl eine Keimzelle für eine vorausschauende Gesundheitsversorgung sein, entscheidend sei laufender Dialog und eine Begegnung auf Augenhöhe.

Als eine „bedeutende Säule im Gesundheitswesen“ bezeichnete Maria Grander, Präsidentin des Dachverbandes der Tiroler Selbsthilfevereine und -gruppen die Selbsthilfe. Rund 9% aller Erwachsenen seien in Tirol Mitglied bei einer Selbsthilfegruppe, 13% würden sich über diesen Themenkreis informieren. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall ist geringer, wenn man Mitglied bei einer Selbsthilfegruppe ist. Außerdem werden Angst und Isolation verringert. Besonders wichtig ist zudem die präventive Wirkung von Selbsthilfegruppen. Ich sehe auch eine starke Mitverantwortung von Nicht-Betroffenen“, betonte Grander.

Als Pionierin der Selbsthilfe in Osttirol, die viel Aufbauarbeit geleistet hat, gut vernetzt und außerdem eine tolle Kollegin ist, wurde Christine Rennhofer-Moritz bezeichnet. „2002 haben wir unseren Zweigverein gegründet. Begonnen hat die Selbsthilfe in Osttirol aber schon vor rund 30 Jahren. Damals gab es nur die Anonymen Alkoholiker. Wir sind mit zwei Gruppen gestartet und waren überrascht, wie viele Menschen zu den Treffen kommen. Ein Meilenstein und eine große Erleichterung waren, als uns der Verbandsobmann sein Büro im Krankenhaus zur Verfügung gestellt hat“, betonte Rennhofer-Moritz. 1.846 Beratungen wurden im Vorjahr von der Selbsthilfe Osttirol durchgeführt, 2.446 Personen über Veranstaltungen erreicht. „Wir sind glücklich, uns geht es gut, und wir hoffen, dass wir auch viele andere glücklich machen können“, schloss Christine Rennhofer-Moritz ihre Rede. 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Osttirol heute/Mühlburger