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4 Jahre NMS: „Die Kinder gehen lieber zur Schule!“

Individualisierung, Integration, E-Learning, Teamteaching, schülerzentrierter Unterricht – DirektorInnen zeichnen ein positives Bild von 4 Jahren Neue Mittelschule in Osttirol.

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v.l.n.r.: Dir. Thomas Greuter (NMS Nußdorf-Debant), Dir. Reinhard Mair (NMS Abfaltersbach), Dir. Willi Veider (NMS St. Jakob), Dir. Lydia Pedarnig (NMS Egger-Lienz), Dir. Alois Lugger (NMS Lienz-Nord), Dir. Andreas Strasser (NMS Virgental), Conny Schroffenegger-Bodner (Leiterin Pädag. Beratungszentrum), Dir. Michaela Troger (Bildungszentrum Kals), Dir. Hannes Kofler (NMS Matrei), PSI Elisabeth Bachler, Dir. Peter Peinstingl (NMS Sillian)

 

Gemeinsam mit Pflichtschulinspektorin Elisabeth Bachler und Conny Schroffenegger-Bodner, Leiterin des Pädagogischen Beratungszentrums, zogen die Direktorinnen und Direktoren der neun Neuen Mittelschulen des Bezirkes am Montagvormittag, 12. Dezember, bei einem Pressegespräch Bilanz über vier Jahre Entwicklung der neuen Schulform. „Am 1. September 2012 wurde die NMS per Gesetz in Österreich eingeführt. Gleichzeitig starteten wir mit der HS Lienz-Nord in die neue Schulform. Ein Jahr später waren alle neun Osttiroler Hauptschulen Neue Mittelschulen“, so Elisabeth Bachler einleitend. 

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PSI Elisabeth Bachler: „Ziele der NMS sind unter anderem, die Stärken der SchülerInnen hervorzuheben und zu fördern sowie vorhandene Schwächen so zu komprimieren, dass die Kinder möglichst gut damit umgehen können.“ 

 

Die neun DirektorInnen zogen anschließend eine durch und durch positive Bilanz über die Entwicklungen in den vergangenen vier Jahren. „Wesentliche Schwerpunkte der NMS sind die flexible Gestaltung von Lerngruppen und die Entwicklung weg vom Frontalunterricht hin zum schülerzentrierten Unterricht“, so Andreas Strasser, Dir. der NMS Virgental. Das E-Learning in allen Fächern einzusetzen und den Umgang mit Computer und Internet zu schulen, bezeichnete Dir. Thomas Greuter, Dir. der NMS Nußdorf-Debant, als weiteren zentralen Punkt. Die SchülerInnen fit für das Berufsleben zu machen und den Übertritt in weiterführende Schulen zu erleichtern, strich Reinhard Mair, Dir. der NMS Abfaltersbach, heraus.

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Dir. Lydia Pedarnig: „Unter dem Motto ,offen – freiwillig – vertraulich‘ unterstützen uns drei hauptberufliche und zwei flexible Schulsozialarbeiterinnen in den NMS Lienz-Nord, Egger-Lienz und Nußdorf-Debant. Probleme des Schulalltags werden dadurch schnell bearbeitet und können größtenteils gelöst werden."

 

Das Teamteaching bezeichnete der Direktor der NMS Lienz-Nord, Alois Lugger, als Kernelement der NMS: „Unter Teamteaching versteht man die Planung, Durchführung und Auswertung kommunikativer Lehr- und Lernprozesse durch kooperierende Lehrer in Zusammenarbeit mit flexiblen Schülergruppen.“ Das „Soziale Lernen“ sei früher in den Hauptschulen mehr oder weniger intensiv praktiziert worden, heute sei es ein fixes Fach. „Es geht darum, in einem Umfeld des sozialen Miteinanders Ressourcen aufzuspüren und zu integrieren. Bei den Kind-Eltern-Lehrer-Gesprächen (KEL) wird mindestens ein Mal im Jahr ein Stärkenprofil ausgearbeitet“, erklärte Pedarnig.

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Dir. Michaela Troger vom Bildungszentrum Kals: „Es gibt bei uns in Kals monatlich schulartenübergreifende Projekte und Schnuppertage für Volksschüler in der NMS. Auch weil VS und NMS in einem Gebäude untergebracht sind, kennen die Volksschüler ihr neues Umfeld schon, wenn sie in die NMS übertreten.“

 

„Der schülerzentrierte Unterricht ist in der NMS zentral. Wir wollen den Frontalunterricht nicht gänzlich abschaffen, sondern eine gute Mischung mit anderen Unterrichtsformen finden. Ich höre immer wieder, dass die Kinder jetzt lieber zur Schule gehen – für mich die beste Bestätigung, dass die Neue Mittelschule erfolgreich ist“, so Peter Peinstingl, Dir. der NMS Sillian. Vom Modell „Bildungszentrum Kals“, das VS, NMS und Kindergarten unter einem Dach vereint, berichtete Dir. Michaela Troger. „Durch gemeinsame Projekte und Veranstaltungen wollen wir den Kindern den Übertritt in die NMS erleichtern. Es ist schön, persönlich miterleben zu dürfen, wie einfach der Übergang dadurch wird.

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Dir. Willi Veider: „Keine Schulform ist so gut, dass sie nicht noch verbessert werden könnte.“

 

Dass es in jeder Schule Förderunterricht gäbe, strich Dir. Hannes Kofler von der NMS Matrei als wesentliche Säule der Schulform heraus. „Außerdem bieten wir Italienisch als 2. lebende Fremdsprache an. SchülerInnen, die dieses Fach wählen, haben beim Übertritt in eine weiterführende Schule keine Probleme. Wichtig ist auch die Interessens- und Begabtenförderung – wie z.B. Schach, Volleyball oder Singen im Schulchor“, so Kofler. Als Highlight bei einer Umfrage unter seinen Lehrern in der NMS St. Jakob ortete Dir. Willi Veider das Arbeiten im Team und den Umstand, dass viel diskutiert und ständig an Verbesserungen gearbeitet werde. „Auch die so genannte Freiarbeit und die KEL-Gespräche sehen die Lehrer als wichtige Elemente der NMS“, so Veider.

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Conny Schroffenegger-Bodner: „Bei Bedarf kommen ich oder einer unserer 13 Beratungslehrer an die Schule. Vor Ort wird dann diskutiert und an einer Lösung gearbeitet. Die Außensicht ist oft sehr hilfreich.“

 

Inklusion nicht nur in den neun NMS, sondern in allen 57 Osttiroler Schulen zu leben, nannte Conny Schroffenegger-Bodner, Leiterin des Pädagogigschen Beratungszentrums, als ein wichtiges Ziel. „Mit einem Team von 13 Leuten arbeiten wir an dieser Inklusion. Es geht dabei nicht nur um Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf oder Verhaltensauffälligkeiten, sondern auch um SchülerInnen mit verschiedenen Religionen oder um Kinder aus Flüchtlingsfamilien“, betonte Schroffenegger-Bodner.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger