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Wirtschaft und Gesellschaft im digitalen Wandel

Am 24.11. referierte Univ.-Prof. Dr. Kurt Matzler im Rahmen von „Vordenken für Osttirol“ im OWP in Lienz über Veränderungen, die seiner Ansicht nach unser aller Leben verändern werden.

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Weit über 100 Interessierte folgten am 24.11. der Einladung in den Osttiroler Wirtschaftspark in Lienz, wo Kurt Matzler über „Digitale Transformation“ und die Auswirkungen auf Mensch und Unternehmen informierte. Die Digitalisierung sei eine unabänderliche Entwicklung, erklärte der von Google Scholar unter die Top 20 Strategieprofessoren Europas und die Top 50 der Welt gereihte Experte.

 

Europa sei gerade dabei, die größte Entwicklung der Menschheitsgeschichte zu verschlafen, stellte Univ.-Prof. Dr. Kurt Matzler zu Beginn seines Referates ernüchtert fest. Im Rahmen seiner Professur an der freien Universität Bozen sowie seiner Gastprofessur an der Universität Innsbruck beschäftigt er sich seit Jahren intensiv mit den Themen Innovation, Leadership und Strategie. „Der digitale Wandel wird mit uns und ohne uns kommen - ich halte es für besser, wenn er mit uns kommt", hielt er fest.

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Mancher Vortragsteilnehmer dürfte sich bei den Szenarien, die Kurt Matzler skizzierte, unwohl gefühlt haben. So sollen beispielsweise bereits im Jahr 2020 50 Millionen Dinge mittels Sensoren mit dem Internet verbunden sein, vom Fußball bis hin zu Socken.

 

Chancen ortete der Wissenschaftler etwa im Bereich der Gesundheitsvorsorge: „Durch ein Patienten-Monitoring mittels Sensoren könnten bei chronischen Erkrankungen weltweit 85 Prozent der Patientenkosten eingespart werden.“ Auch für die Wirtschaft sei die Implementierung von Sensoren eine bedeutende Weiterentwicklung. So würden etwa Sensoren rechtzeitig melden, wenn ein Teil einer Maschine zu tauschen ist. Weiters seien Roboter bereits heute in der Lage, automatisierte Vorgänge zu verrichten. Selbst die Herstellung von beispielsweise großen Bauteilen mittels 3-D-Drucker sei in greifbarer Nähe.

„Laut Studien werden 57 Prozent aller Jobs, wie wir sie heute kennen, durch den digitalen Wandel verschwinden", wagte der Strategieprofessor eine Prognose für die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass „… jeder Trend einen Gegentrend auslöst.“ Auch wenn beispielsweise Roboter eine Großküche betreiben können, würde es auch in Zukunft Erlebnisgastronomie und Haubenköche geben. Geschäftsmodellen, die auf Kreativität und Unternehmertum, auf Geschicklichkeit und auf zwischenmenschliche Beziehung ausgerichtet sind, sagte er eine positive Zukunft voraus. Die Frage, welche Rolle das "menschliche Maß" in Zukunft spielen werde, beantwortete er vorsichtig. Trotz aller Digitalisierung vertraue er auf „unseren Hausverstand" und darauf, dass Entscheidungen mit Maß getroffen würden.

Text: Wirtschaftsredaktion, Fotos: Brunner Images